Ein Jahr Bürgerinitiative pro Wald Niedernhausen

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am Mo., 09.09.2013 - 01:21

Vor einem Jahr wurde die Bürgerinitiative proWald Niedernhausen gegründet. Die Initiative möchte die Waldflächen im Gemeindegebiet vor dem willkürlichen Zugriff durch Investoren schützen und über die Folgeschäden durch einen unkoordinierten Wildwuchs von Windenergieanlagen informieren. Jetzt zog die Bürgerinitiative Bilanz: Ihr Anliegen, Windkraft nur dort einzusetzen, wo es sinnvoll ist, stieß auf eine so große Aufmerksamkeit, dass es in den letzten zwölf Monaten sogar zum zentralen Thema in regionalen Bürgermeisterwahlen gemacht wurde. Durch das Engagement der Mitglieder wurden überregionale Informationsveranstaltungen zum Thema Windkraft erfolgreich unterstützt und Unterschriften für Petitionen gesammelt.

pro Wald Niedernhausen bemängelt in ihrem Rückblick, dass trotz allem die bislang von der Politik entwickelte Grundkonzeption schwere Mängel aufweist und fast ausschließlich auf die Alternative Windkraft setzt. So wird darin die bislang problematische, aber unbedingt notwendige Speichermöglichkeit des Stroms nicht berücksichtigt. Um die Versorgung zu garantieren, müssen konventionelle Reservekraftwerke vorgehalten werden. Deren Betrieb wird für die Versorger zunehmend unattraktiv. Auch lässt sich bisher keine Abkehr von der fehl gerichteten und teuren Subventionspolitik erkennen, die falsche Anreize setzt und zu einem Ausverkauf von Natur- und Landschaftsschutz geführt hat. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz führt zu hohen Kosten für die Bürger, besonders bei sozial schwachen Familien, der Profit verbleibt bei den Investoren.

Die Bürgerinitiative warnt, dass die in der Gemeinde Niedernhausen vorhergesagten Windstärken nicht ausreichen werden, um Windenergieanlagen wirtschaftlich betreiben zu können – schon gar nicht ohne Subventionen. Weder die Gemeinde, noch mögliche Investoren hätten hiervon einen Vorteil. „Bedeutende Waldflächen, die ein nachhaltiges Gut für Niedernhausen darstellen, würden einem zweifelhaften Nutzen geopfert“, sagte ein Sprecher der Initiative.

Fast zeitgleich mit dem einjährigen Bestehen der Initiative hat die zuständige Regionalversammlung Südhessen die Rahmenbedingungen für den Teilplan „Erneuerbare Energien“ beschlossen und somit den Weg für die Ausweisung von Vorranggebieten für Windenergie geebnet. Der Plan soll in Form einer Karte 2,8 Prozent der Landesfläche für Windkraftanlagen ausweisen und noch in diesem Jahr fertig gestellt werden. Für den Rheingau-Taunus-Kreis sind dabei 7,5 Prozent der Fläche vorgesehen, was den Bau von mehr als 600 Windrädern ermöglichen würde. In Niedernhausen sind die Gebiete um die Hohe Kanzel in Engenhahn und den Buchwaldskopf in Oberjosbach als mögliche Standorte für Windenergieanlagen vorgeschlagen. Die bislang in Niedernhausen ausgewiesenen Vorranggebiete liegen jedoch innerhalb des Anlagenschutzbereiches des Drehfunkfeuers „TAU“, das von der deutschen Flugsicherung betrieben wird. Daher würde vor der Planung eine aufwändige Einzelfallprüfung durch die deutsche Flugsicherung notwendig, da durch die Windräder erhebliche Einschränkungen für den Luftverkehr zu erwarten sind.

Windkraft ist ein sehr wichtiges Thema für Niedernhausen. proWald Niedernhausen unterstützt daher das Projekt „Stunde der Vernunft“: Gemeinsam mit anderen hessischen Bürgerinitiativen können die Bürger am 14. September zwischen 10:55 und 11:55 Uhr vor dem hessischen Landtag in Wiesbaden ihrer Stimme Gewicht geben und die Politiker auf ihre Unzufriedenheit bei der Umsetzung der Energiewende aufmerksam machen. Anmeldungen sind ab sofort unter www.proWald-Niedernhausen.de möglich.